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Joachim Schoenecker - Bert Joris - Quartett

Nachgedanken zu dem Konzert vom 27. November 2010

Versprechen eingelöst – nachdem Joachim Schoenecker im November des Startjahres 2008 unserer Konzertreihe seine Wiederkehr in die Hospitalskapelle ankündigte, konnten alle sehr gespannt auf die neue Formation sein.
Nicht selten gestaltet sich die Zusammensetzung von Ensembles aus dem Kreis herausragender Künstler aufgrund deren dicht gefüllten Terminkalendern schwierig und nicht immer treffen deren individuelle Sicht- und Spielweise im Kontext des vielfältigen Jazzgenres punktgenau aufeinander.

Was die Zuhörer jedoch an diesem Abend erleben durften, übertraf bei weitem auch die hoffnungsvollsten Erwartungen in der Zuhörerschaft. Joachim Schoenecker bewies mit der Auswahl seiner Musikerkollegen ein treffsicheres Geschick.
An seiner Seite präsentierte sich das musikalische Multitalent Bert Joris sowohl als brillianter Komponist, denn es wurden bis auf eine Ausnahme ausschließlich Kompositionen von Schoenecker und Joris gespielt, als auch mit ausgeprägten virtuosen und vor allem sensiblen, solistischen Fähigkeiten.
Die Befürchtung, die Trompete könnte die Akustik der Kapelle überfordern, widerlegte Bert Joris bereits im ersten Stück eindrucksvoll und zeigte darüber hinaus, dass die bei Trompetern oft vorherrschende, martialische Lautstärke ganz leicht durch Spielfreude und -können ersetzt werden kann. Das Ergebnis beeindruckte.

Noch mehr aber überzeugte das lyrische Spiel von Bert auf dem Flügelhorn. Die beiden zusammen bilden eine musikalische Einheit, wie sie nur selten zu beobachten ist. Vergleiche mit Paolo Fresu, Andreas Haderer und Till Brönner sind durchaus erlaubt, täuschen jedoch über die stilvolle Technik und Melodieverliebtheit von Bert Joris hinweg. Hier macht deutlich ein überaus talentierter Musiker sein eigenes Ding.

Abgerundet wurde der Gesamteindruck des Konzerts durch die sympathischen Persönlichkeit von Bert, was sich auch während des "dritten Sets" – im Vorraum der Kapelle – bemerkbar machte. Hier zeigte er sich eindeutig als Publikumsmagnet und beantwortete jede Frage gerne und mit sehr großem Humor.

Martin Gjakonovski überzeugte mit einem melodiösen Solospiel am Bass und groovte zusammen mit dem Schlagzeuger Guido May auf höchstem Niveau.


Jener war am Schlagwerk die wahre Freude. Mays Spielfreude manifestierte sich auch in seiner Körpersprache und so belebte er ständig mit neuen Ideen, kapriolen Turnarounds und Fills, hoch differenter Dynamik, begleitet durch begeisterte Mimik das Spielgeschehen und initiierte hierdurch unglaublich virtuose Soli bei seinen Mitstreitern.


Das Ganze wurde harmonisch und rhythmisch vom Gitarrenspiel Joachim Schoeneckers meisterlich zusammengehalten, gesteuert und mit genialem Solospiel abgerundet.

Das war Jazz auf höchstem Niveau und begeisterte das Publikum ganz sicher auch noch auf dem Nachhauseweg.

So kann es weitergehen.


Thomas Gläsel